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Ausgebremst - ENUM und die DSL-Provider


26.05.2006, Ausgebremst - ENUM und die DSL-Provider

Noch im Januar konnten wir den Deutschland-Start von ENUM un-
ter der Ägide von DENIC vermelden. Im März war DENIC erstmals
auf der CeBit vertreten, um ENUM zu vermarkten, und hielt im
April einen weiteren ENUM-Tag ab. Die .de-Domain-Verwaltung
ist bemüht; gleichwohl verzeichnet ENUM derzeit gerade einmal
30.000 Einträge in Deutschland. Schuld daran seien die Telefo-
nie-Provider, die bei ENUM nicht mitspielen.

Das meint jedenfalls Sebastian von Bomhard, Vorstand eines In-
ternet-Service-Providers und Aufsichtsratsvorsitzender bei DE-
NIC e.G., in einem Gespräch mit heise.de. Gegenüber heise.de
sagte von Bomhard, die Telekom wolle nun offenbar ihr ENUM-En-
gagement zurückfahren. Andere DSL-Provider scheinen nach An-
sicht von Bomhards ebenfalls ihre Kunden bei der traditionel-
len Kommunikationsstange halten zu wollen. Doch ob das auf
Dauer gelingen wird?

An ENUM und an der DENIC liegt es jedenfalls nicht, wenn sich
die Konvergenz zwischen Internet und Telefonie nicht schneller
verbreitet. Die Begründung, es seien die Telefonie-Provider Te-
lekom und Konsorten, die ihre Felle davon schwimmen sehen,
greift wohl aber auch zu kurz. Das Thema ist komplex, und die
Vermittlung dieser Technologie nicht einfach. ENUM ist nur ein
Beispiel für Internettelefonie, wenn auch das umfassendste. Mit
dem proprietären Skype jedenfalls zeigt sich ein ganz anderer
Anbieter, der bereits Fuss gefasst hat. Der Weg dieser Technik
ist, liest man sich zum Thema ein, mit verwirrend vielen Abkür-
zungen und Protokollen gesät: "neben" ENUM stehen da PSTN, SIP,
H.323, IAX, H.248 und andere. Man braucht besondere Hardware,
die im einzelnen nicht alle Protokolle beherrscht. Und der Kun-
de weiss nicht, ob ENUM wirklich der Standard sein wird.

Und so wird doch wieder ein Schuh draus: Die Telefon-Provider
werden an ENUM wenig verdienen, doch zumindest eine feste Tele-
fonnummer ist notwendig für die Nutzung von ENUM: die Telefon-
nummer wird unter der Top Level Domain .arpa ins DNS eingetra-
gen. Ruft nun jemand die Nummer an, wird eine Anfrage seitens
der Telefonprovider an das DNS gestartet, bei Bestätigung wird
der Anrufer via Internet weitervermittelt. Telefongebühren ent-
stehen so nicht. Doch wer sonst als die etablierten Telefon-Pro-
vider kann für eine schnelle Verbreitung der neuen Technik sor-
gen. Deren Aufgabe ist es, die Technik einfach zu verpacken und
dem Kunden schmackhaft zu machen. Das sei die Chance für kleine
Provider, erklärt von Bomhard im heise.de-Gespräch. Und es ist
der Weg der etablierten Telefonie-Provider, wollen sie den An-
schluss nicht verpassen. Mögen sie die Chance nutzen.

(Quelle: www.domain-recht.de)

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